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Herr der Geschirre

 

Herr der GeschirreTüftler sei er und ein Hansdampf in allen Gassen. Stillstand ertrage er nicht, nicht mal für fünf Minuten. Muss er auch nicht. Es läuft ganz gut für Julius Sebő, den Erfinder und Produzenten der Julius-K9-Geschirre. Und das mit gerade mal vierzig Jahren. Entdeckt hat der gebürtige Ungar die Marktlücke im Rottweilerclub in Budapest, wo er sich zum Studium der Tiefbautechnik etwas als Hundetrainer dazuverdiente. Auch später im Wiener Schäferhundverein fielen ihm Materialfehler auf: schlechte Verarbeitung an Kenndecken, Halsbändern und Geschirren. Auf Basis der voller Tatendrang: Erfinder Julius Sebő und Csupi, sein adoptierter Straßenhund.
Kenndecken aus der österreichischen Polizeihundestaffel begann er, maßgeschneiderte Geschirre herzustellen. Sebős Arbeit wurde insgeheim zu einer Vision: Er wollte das perfekte Hundegeschirr kreieren, und zwar für jedermann, nicht nur für Profiteams.

Als die Nachfrage nach seinen Geschirren größer wurde, absolvierte Sebő eine Ausbildung zum Sattler und Riemer – halbe Sachen gibt es für ihn nicht. „Ich wollte außerdem das Handwerk beherrschen”, fügt er bescheiden hinzu. Seine ersten Leinen, Geschirre, Halsbänder und Maulkörbe waren aus Leder, später folgte die Umstellung auf Kunststoff.
Herr der GeschirreAus der Kombination seines Vornamens und der Bezeichnung „K9” für Diensthundeeinheiten machte er seine Produkte namens „Julius-K9”, die heute bei Polizeihundestaffeln und Ausbildungsstätten in Ungarn, Österreich, Deutschland nicht mehr wegzudenken sind, „überall da, wo Such-, Polizei-, Rettungsund Sprengstoffhunde gebraucht werden”, erzählt Sebő.
Zum unübersehbaren Bestseller wurden die Geschirre aber erst dank der austauschbaren Logo-Aufschriften, „Patches” genannt.
Die Idee dazu hat eine Geschichte: Vor rund achtzehn Jahren nahm Sebő einen herrenlosen Straßenhund auf, konnte dies er aber nicht behalten, da seine Dobermannhündin den Neuzugang nicht akzeptierte.

Ein neues Zuhause war nicht in Aussicht, sodass er vor einem Supermarkt für den Hund nach einem Herrchen suchte. Niemand schien sich zu interessieren. Da musste ein Weg her, wie der Hund sich den Menschen verständlich machen konnte. Kurzentschlossen bastelte Julius Sebő ein Schild mit der Aufschrift „Herrli gesucht” und hängte es dem Hund um den Hals. Innerhalb weniger Minuten war der Vierbeiner von Menschen umringt und man kümmerte sich um ihn. Die Idee für die Patches war geboren .

 

Johanna Esser