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Mit Hundeschnüffel gegen Lungenkrebs!


Oktober 2009. Beim Ausgang des Züricher Flughafens wartet im frühabendlichen Tumult ein kleiner Opel. Der Motor läuft. Als mich die Fahrerin bemerkt, steigt sie aus und begrüßt mich mit einem Lächeln, das noch breiter als mein eigenes ist.  Dieses freundliche Lächeln gehört Gaby Günther, die früher eine mit Julius-K9 Marketing-Aufgaben beauftragte deutsche Partnerin war. Außerdem war sie der „Schutzengel” des Hundeausbildungszentrums TeamCanin im deutschen Löffingen. TeamCanin ist die Hundeschule von Uwe Friedrich, die mit ihren Ergebnissen kaum zwei Jahren später die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich zog.


So war es nicht weiter verwunderlich, dass wir den kurvenreichen Hinweg in angeregter Unterhaltung verbrachten. Wir hatten viele gemeinsame Themen, denn Gaby hatte damals eine Aufgabe übernommen, die sowohl für die Hundeschule als auch für unsere Firma von großer Bedeutung war. Sie war es nämlich, die den Grundstein für die Freundschaft und die Geschäftsverbindung zwischen Uwe Friedrich, dem leitenden Ausbilder von TeamCanin und mir gelegt hatte.

Das vordergründige Motiv für meinen Besuch war das Studium von Uwes speziellen Ausbildungsmethoden und natürlich die Entwicklung der dazu notwendigen Ausrüstungen, deren nähere Einzelheiten sich fürs Erste im geheimnisvollen Schatten des Schwarzwalds verborgen hielten. Soviel war aber gewiss, dass unser zukünftiger Partner vom professionellen Standpunkt her keine Enttäuschung sein würde. Der ehemalige Polizeihundeführer aus Stuttgart hatte nach vieljährigem Dienst seinen Ausbilderambitionen folgend im Jahr 1999 seine erste Hundeschule gegründet. Erst nach langem Suchen fand er 2008 das jetzige Gelände im Herzen des Schwarzwaldes, welches man zu Recht als Pferde- und Hundeparadies bezeichnen kann.
Seine schnell berühmt gewordenen, auch in Fachbüchern und Trainings-Videos vorgestellten Ausbildungsmethoden, stellten in erster Linie eine Lösung für die alltäglichen Konflikte zwischen Hund und Hundehalter dar. Seine Kurse standen unter anderem unter dem Motto „Der Familienbeschützer”, „Hilfe! Mein Hund jagt!” oder „Hilfe! Mein Hund frisst alles auf!”. Als es ihm aber dann gelang, aus einem aus dem Tierheim geretteten Hund einen preisgekrönten Drogensuchhund zu machen, wurde die deutsche Presse auf ihn aufmerksam und er stand endlich im Rampenlicht.

Da sich auch meine eigenen Ideen oft an der Grenze der Umsetzbarkeit bewegen, ziehen mich instinktiv solche Menschen an, die mit „ähnlichen” Problemen zu kämpfen haben. Damit nicht genug! Wenn sich unsere Ziele auch nur irgendwie vereinbaren lassen, bin ich bereit, für ein Gespräch ans Ende der Welt zu reisen. So war ich verständlicherweise recht zufrieden, dass mir da viele Kilometer „erspart“ wurden und das mich so ein  Treffen „nur“ nach Löffingen führte. Allerdings musste ich mich aber auf dem Weg vom Flughafen im Auto vor lauter Zigarettenrauch festhalten und konnte nur hoffen, dass „meine Pilotin” vor einer größeren Kurve so rechtzeitig ihr dahinrollendes Feuerzeug kontrollieren würde, dass sie das Auto wieder auf die Fahrbahn zurücklenken konnte.
Darüberhinaus musste ich während der Fahrt alle Sandwiches verspeisen, die mir Gaby für diese kurze Fahrtzeit zubereitet hatte. Meine Frau hatte nämlich vor meiner Ankunft meinen Gastgeber schwören lassen, dass er „mich gut halten würde”, weil ich – obwohl man mir das nicht ansieht - andauernd esse.

Zu meiner Schande sei gesagt, dass ich hinsichtlich der Umstände meiner Ankunft beim Löffinger Zentrum von TeamCanin und auch des restlichen Teils des Abends nur schattenhafte Erinnerungen habe. Was ja aber auch nicht so verwunderlich ist, da ich mich ja auf so vieles konzentrieren musste…  

Das üppige Frühstück des nachfolgenden Tags und mein Treffen mit Uwe sind mir allerdings bis zum heutigen Tag lebhaft in Erinnerung geblieben.
Also, Uwe ist ein überwältigend netter und aufmerksamer Mann (absolut ernst gemeint), der zu alledem über eine Persönlichkeit verfügt, die die Aufmerksamkeit aller Menschen (und Hunde) auf sich zieht. Mit seinem außerordentlichen pädagogischen Spürsinn und seinen Fragen lockt er die Kursteilnehmer aus der Reserve und motiviert sie zur Meinungsäußerung, was aus dem Ganzen eine interaktive Tätigkeit werden lässt. Das konnte ich auch am eigenen Leib erfahren, denn an diesem Tag wurde mir die besondere Ehre zuteil, vielleicht als erster Vertreter unseres Landes an einem neuen Typ von Hundesport, dem Longieren, teilnehmen zu dürfen, das ursprünglich als Gruppentraining in Pferdekreisen bekannt ist. Der Anblick des Ausbilders, der sich innerhalb eines durch ein Band abgetrennten Kreis befindet und des sich außerhalb des Kreises befindenden Hundes, der durch Körpersignale gelenkt wird, überzeugte mich davon, dass kreative Menschen jederzeit in der Lage sind, immer neue Sportarten zum Zwecke der gemeinsamen Freizeitgestaltung von Mensch und Hund herauszufinden. Ich habe zwar schon Ähnliches bei der Treibarbeit von Herdenhunden gesehen, aber in diesem Fall hat mich die ununterbrochene Aufmerksamkeit des Hundes und besonders das Suchen des Hundes nach Augenkontakt mit seinem Führer besonders beeindruckt.

Im Mittelpunkt meines Interesses stand jedoch ein anderes von Uwes Projekten im Zusammenhang mit dem besonderen Einsatz von Suchhunden. Die Aufgabe der zu diesem Zweck ausgesuchten Hunde verschiedener Rassezugehörigkeit bestand in der Erkennung und Anzeige von Tumorerkrankungen des Menschen, vor allem des Lungenkrebses, mithilfe des Geruchssinns. Das Ziel war also die Ausbildung von Hunden, die Lungenkrebs diagnostizieren konnten!

Der Lungenfacharzt Dr. Rainer Ehrmann spielte in der ersten Phase der Arbeiten eine besondere Rolle. Er entdeckte als damaliger Oberarzt in der Bibliothek einer bekannten Lungenklinik in Davos (Zauberberg von Thomas Mann) über 100 Jahre alte Aufzeichnungen über einen Hund, der mit seinem Verhalten das Vorhandensein von Lungenkrebs bei Patienten anzeigte. Es ist bemerkenswert, dass die Möglichkeit zu einer frühen, sicheren und schmerzfreien Diagnostizierung von Lungenkrebs kurze Zeit später auch auf dem Gebiet der Humanmedizin an mehreren Stellen auf positive Akzeptanz stieß und sich auch immer mehr Sponsoren fanden, die die Arbeit von Uwe Friedrich und des TeamCanin nach besten Kräften unterstützten. Die Ausbildung stützte sich auf die Tatsache, dass die vom Menschen ausgeatmete und in einem Reagenzglas gespeicherte Luft für lange Zeit solche auf einen Tumor hinweisende chemische Substanzen enthält, die für einen Hund wahrnehmbar sind. Bei einem Hund kann die Fähigkeit, Gerüche zu erkennen, bis zur Perfektion entwickelt werden. Die täglich einmal oder sogar mehrmals durchgeführte Übung erinnerte mich stark an das ’Hütchenspiel’. Zuerst stammte nur der Inhalt von einem der drei einzeln in einen Behälter gestellten Reagenzgläser von Patienten, derer Behandlung schon lange zurücklag oder der sich in dem Frühstadium der Krankheit befanden. Der die Muster beschnüffelnde Hund machte vor dem positiven Reagenzglas Halt. Darauf folgte eine Belohnung, welche natürlich auf die Bedürfnisse der vier, an dieser Ausbildung Teil nehmenden Hunde, zugeschnitten war. Während dieser Zeit wurde die Anordnung der Reagenzgläser verändert. Die Arbeit wurde jedesmal gefilmt und analysiert.

„-Ein Hund, der sicher im Diagnostizieren von Lungenkrebs ist, kann Leben retten!” war immer häufiger auch von zweiflerischen Fachleuten zu hören. Seitdem sind zwei Jahre vergangen, in denen geübt wurde, in denen es Misserfolge und Erfolge gab. Dann erhielt ich die Nachricht, dass Uwes Team und die unterstützenden Humanmediziner die Idee mit Erfolg umgesetzt hatten. Und zwar mit einem so großen Erfolg, dass am 1. September 2011 ungarische Fernsehsender und mehrere Hunderte andere Kanäle weltweit darüber berichteten.

Natürlich haben auch meine persönlichen Besuche in Löffingen ihre lang ersehnten Früchte getragen. Die für TeamCanin entwickelten Produkte können in erster Linie eine Hilfe in der Ausbildung von Suchhunden sein, sind aber auch in der Hand des normalen Hundehalters ein ausgezeichnetes Hilfsmittel.  Leider sind sie bis jetzt nur in den Regalen westeuropäischer Warenhausketten zu finden. Ich hoffe, dass diese Produkte ein wichtiger Beitrag in der Ausbildung von Hunden sind, die für die Diagnostizierung des Lungenkrebses ausgesucht wurden. Und auf diese Weise haben auch wir Ungarn zu diesem Erfolg beigetragen und wir können hoffen, dass auch ungarische Hunde fähig sein werden, diese Krankheit rechtzeitig  zu entdecken. An der entsprechenden Ausrüstung soll es nicht liegen…

Gyula Sebő,
Julius-K9