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Sein Handwerk ist der Tod

Im Schatten einer Fußball-EM

Der erste, bis auf die Knochen gehende Raureif-Nebel in der Vorstadt von Kiew. Selbst das Atmen fällt jetzt schwer - Je älter ich werde, desto weniger kann ich mich am Winter erfreuen. Meine Gelenke- müde geworden im Militärdienst und beim Sport – schmerzen

- Das waren Alexejs Gedanken und er verfluchte sein Schicksal, dass er in den letzten paar Jahren, nachdem er es zum Angestellten, zum persönlichen Assistenten der einflussreichsten Männer der Ukraine gebracht hatte, noch nicht einmal ein ganzes Wochenende im Kreise seiner Familie hatte verbringen können. Wütend zog er die gepanzerte Tür seiner Dienstlimousine zu und drückte seinen Hinterkopf tief in das Lederpolster des Sitzes. In seinem Ohr erklang die lieblich tönende Stimme seiner Frau, die wahrscheinlich in diesen Minuten die Kinder mit einem liebvollen Kuss auf die Stirn weckte. Plötzlich empfand er eine tiefe Bitterkeit, die von ganz unten aus seinem Magen kam und sich einen Weg bis zu seiner Kehle bahnte.

- Zweihundertfünfzigtausend streunende Hunde in der Ukraine!  Ein Land voll mit elenden Menschen und skelettartigen Tieren, die ihr Leben auf der Straße fristen.  -  Dieser Gedanke ließ ihn nicht los und im Versuch, dieses Gefühl einer herannahenden Gefahr zu besänftigen, dachte er an den näher rückenden Eröffnungstag der Fußballeuropameisterschaft im Sommer.

Die Erwartungen der UEFA waren eindeutig. Sie gewährten der Ukraine die Möglichkeit, zusammen mit Polen der Austragungsort der Meisterschaft zu sein. Dazu war es allerdings nicht genug, Stadien und Hotels zu bauen. Hier musste Ordnung geschaffen werden! Der erste Führungswagen begann inzwischen laut zu hupen. Sie verlangsamten das Tempo. Ein Dutzend streunende Hunde stolperte  auf der Straße, kraftlos hin- und her schwankend und hinkend. Ihr Atem brachte den Nebel in Bewegung.
Diese Tölen! Die werden noch einmal alles ruinieren!  Und uns läuft die Zeit davon! ließ sich die Stimme des Führers vernehmen. – Kriegen Sie das geregelt. Wir haben keine Zeit zu verlieren!
Alexej war sein ganzes Leben lang Soldat gewesen, noch dazu einer von denen, die noch auf den kleinsten Seufzer ihrer Vorgesetzten achten.  Er konnte im Bruchteil eines Augenblicks alle unnötigen Gedanken beiseite fegen, wenn es um Befehle ging.

– Begleitwagen nach vorn, Signallampen und Sirenen einschalten, Führungsgeschwindigkeit verringern. – so lautete seine Anweisung über Funk, während er die hintere Kamera des Autos einschaltete und instinktiv seine Waffe überprüfte.  Die sich keilförmig anordnenden  Führungswagen nahmen die ganze Straßenbreite ein und fegten alle von der Straße.
Wissen Sie, Alexej, für mich ist diese Fußball-EM sehr wichtig.  Wenn das ein Erfolg wird, dann habe ich damit für ein Leben lang ausgesorgt und auch etwas für das Ansehen meines Volkes getan. Dann können alle zufrieden sein – mit diesen Worten wischte sich der Führer mit seinen sperberklauenartigen Fingern den Schlaf aus den Augen. – Außerdem, - sagte er, sich zu Alexej wendend – hänge ich sehr an Ihnen. Wie lange kennen wir uns eigentlich schon? – Alexej lief es kalt den Rücken hinunter, als er in die leblosen grauen Augen des Führers sah.


Ich habe Sie schon vor fünfzehn Jahren beschützt, mein Herr! Zur Zeit der Aufstände der ukrainischen Extremen.
Der Führer wurde nachdenklich. – Na, sehen Sie! Ist es da ein Wunder, dass wir nach so vielen Jahren wie eine kleine Familie sind? Wie viele Kinder haben Sie doch gleich, Alexej?
Zwei, mein Herr! Ich habe zwei Töchter. – sagte er leise und hatte ein ungutes Gefühl. Mit seinem Zeigefinger drückte er unwillkürlich in seinen Oberschenkel - Alina und Irina - sagte er laut in der Hoffnung, dass der Führer diesen Moment der Schwäche nicht bemerken würde.
Nun, Alexej! Wegen ihnen brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Wir passen schon auf sie auf! Wir haben zwar gefährliche Feinde, die alles daran setzen, dass wir mit dieser EM auf die Nase fallen, und die wissen, dass das unser Untergang wäre, aber wir sind auf der Hut. Schaffen Sie mir hier Ordnung, Alexej! Lassen Sie diese vielen Hunde, Bettler und die Armut von der Straße verschwinden, bis die EM beginnt! Beginnen Sie es mit den Hunden! Alle müssen Sie verschwinden lassen. Sie bekommen freie Hand, aber ich will Ergebnisse sehen. Unsere Existenz steht auf dem Spiel!

 

Jawohl, mein Herr! – Für ein paar Sekunden hörte er das Tosen tausender Stimmen in seinem Hinterkopf, derart lähmte ihn der Gedanke, dass der Führer seine Kinder als seine Familie betrachtete. Er wusste, was das zu bedeuten hatte!  Bis er die Aufgabe beendet, würde sein „Arbeitgeber” Sorge für seine Töchter tragen. Und er würde sie noch monatelang noch nicht einmal flüchtig sehen können. Darauf konnte er Gift nehmen! Als er unterwegs instinktiv seine Aufmerksamkeit auf die um ihn herum geschehenden Dinge richtete und ihm den sich um dienstliche Dinge drehenden Dialog aus den internen Mikrofonen der Führungswagen zu Ohren kam, verfluchte er sich selbst, weil er sich nicht damals zusammen mit seiner Familie in Westeuropa aus dem Staub gemacht hatte, als er noch während der Gasverhandlungen als Leiter des Sicherheitsdienstes seines Chefs uneingeschränkte Bewegungsfreiheit hatte. Sie könnten schon lange alle in Brasilien sein, wenn er damals mutiger gewesen wäre. Jetzt saß er richtig in der Scheiße. Zweihundertfünfzigtausend Hunde! Dann die Bettler, wer wusste, was dann noch kommen würde!? Wenn er das Militär bei einer solchen Aufgabe um Hilfe bäte, das würde mit einem skandalösen Fiasko enden.  Bei einer Schlappe brauchte man immer einen offiziellen Verantwortlichen, und es war wahrscheinlich, dass in einem solchen Fall die Wahl auf ihn fallen würde.   Auch seine Familie würde dann fliehen müssen und dazu noch ohne seine direkte Hilfe. So bald wie möglich musste er seine Frau benachrichtigen, dass sie in die Karpaten-Ukraine zu den dort lebenden Ungarn gehen sollte, zu seinem Freund Grigorij, den er noch zur Zeit der Loslösung vom Sowjet aus der Gefangenschaft seiner Inquisitoren befreit hatte. Seitdem hatte sich Alexej diese Beziehung für den Ernstfall aufbewahrt.  Grigorij schuldete ihm einen Gefallen und er war sich sicher, dass innerhalb seiner internen Akte dieser Name nicht in der Liste seiner Bekannten aufgeführt war. Und so hatte seine Familie einen perfekten Zufluchtsort, bis er mit seiner Aufgabe fertig war. Sein Hirn brummte, während er den Führungswagen einige 

Routine-Anweisungen gab.
Inzwischen war auch ihm klar geworden, dass die Einsammlung der streunenden Tiere und deren Liquidierung an einem geschlossenen, dafür geeigneten Ort bis zum Sommer 2012 eine fast unmögliche Aufgabe war, wollte man nicht ein schwerwiegendes Risiko eingehen. Schon vor Tagen hatte er Absprachen mit den Tierkörperbeseitigungsanlagen und mit den Leitern von größten Tötungsstationen getroffen. Nach deren Angaben würde die Verarbeitung von mehreren Tausend Tierkörpern einer Katastrophe gleichkommen. Die Gefahr von Infektionen und die Verbreitung des Geruchs würden sich nicht verhindern lassen. Auch die derzeitige Kapazität der Krematorien machte die Entsorgung der Tierkörper fast unmöglich.

 

Die Wagen verlangsamten ihr Tempo, weil sie am Ort des ersten großen Stadionbaus angekommen waren. In dem furchtbaren Tumult versuchten Lastwagen und Betonmischer, der mit Sirenengeheul fahrenden Wagenschlange Platz zu machen. Auf der Erdanhäufung um die Baustelle stand ein von einem Dutzend streunender Hunde umringtes, etwa zehnjähriges Zigeunerkind, das riesige Soldatenstiefel  an den Füßen trug und mit einer schief zugeknöpften Steppjacke bekleidet war. Mit zusammengezogenen Augenbrauen beobachtete es die blinkenden Autos auf der Straße. Alexej hatte das Gefühl, dass es nur ihn durch die verdunkelten Fensterscheiben des Autos hindurch ansah. Ihm fiel ein, wie oft während seiner Dienstzeit er schon Befehle gehört hatte, die sich ausschließlich gegen die Zigeuner gerichtet hatten und er wandte lieber den Kopf ab.  In der hinteren Kamera des Wagens sah er, wie das Kind wütend seine Faust erhob, als sie weiterfuhren, und wie der Staub dann ihn und die Hunde bedeckte. - Sie könnten die Lösung sein! -fiel Alexej blitzartig ein.  Wenn er ihnen die Vernichtungsaufgabe übertrüge, dann würden sich auch der Zorn und die Feindlichkeit der Bevölkerung gegen sie richten oder sich wenigstens verteilen. Dieser Gedanke ließ ihn den ganzen Tag nicht los, bis er am Abend 70 Kilometer von Kiew entfernt sein neu eingerichtetes Büro belegen konnte. Hier waren er und seine Gehilfen von der Technik untergebracht und auch das Sicherheitspersonal. So war das ganze Gebäude einem Bienenstock ähnlich. Er kam sich vor wie in einem goldenen Käfig und wartete, bis sich am Abend der Ansturm der Anrufe gelegt hatte.
Die Datenverarbeitungszentrale des vollständig mit Kameras ausgerüsteten Gebäudes lag weit von ihm entfernt, in der Zentrale Kiew und er hatte den Verdacht, dass alles, was hier gesprochen wurde, dort oben analysiert wurde. In Ermangelung eines Besseren rief er auch seine Frau Tatjana von dem Dienstapparat aus an.  Nach dem zweiten Klingeln meldete sie sich auch am anderen Ende, aber in ihrer Stimme lag unverhohlene Besorgnis.
Wie geht es dir, Alex? Wann kommst du nach Hause? Ich kann leider nicht kommen, weil wir Gäste haben.

Für Alexej brach eine Welt zusammen. Er wusste, dass es zu spät war. Seine Frau war ihm Gefährtin und Helferin auch bei seiner Arbeit. Sie sprachen untereinander in einer solchen Sprache, die Außenstehenden auch dann noch nicht viel sagte, wenn es um Leben oder Tod ging. So wie jetzt.  Die „Gäste” - ohne Zweifel die Leute des Führers  - waren schon vor ihrem Haus postiert. Also hatte es sich mit der Abreise erledigt. Eine spektakulärere Fluchtaktion würden sie jetzt noch nicht riskieren können. Ihr Abschied war absichtlich reserviert. Alexej stürzte sich danach wieder in die Arbeit in der Hoffnung, dass er sein inneres Gleichgewicht wiederfinden würde. Auf der Grundlage der bisher zur Verfügung stehenden Daten und Karten stellte er Berechnungen an und entschied dann. Er bestellte telefonisch ein Auto und ging dann zum Panzerschrank. Mit leerem Gesichtsausdruck packte er Dolllarbündel in eine Tasche und am Ende, nach einem momentlangen Zögern vier Bündel wieder zurück an ihren Platz.
Bald fuhren sie in der Mondnacht an erbarmungswürdigen Hütten vorbei und hielten dann vor den erleuchteten Fenstern eines großen Steinhauses an. Als er das Haus betrat, schlugen ihm dichter Zigarettenrauch und Alkoholgeruch entgegen.
Er wurde von Leibwächtern durchsucht und er schüttelte den Kopf, als sie seine Tasche berührten. Dann – mit einer verständlicherweise mehr auf Tuchfühlung gehenden Begleitung -  führten sie ihn durch halbdunkle Kellergänge, bis er dem Zigeunerhäuptling – oder wie man in der Ukraine zu sagen pflegt – dem Zigeunerbaron gegenüber stand. Das Herumreden um den heißen Brei war nicht Alexejs Sache. Für die Tötung der fünfzigtausend streunenden Hunde der Umgebung bot er dem Baron eine ansehnliche Summe an, der misstrauisch die Geldbündel durchblätterte.
- Das ist nur die Hälfte, Bruder – er nahm einen tiefen Zug aus seiner Pfeife.
-Richtig. Genau die Summe für die Tötung.  Der Rest ist für die Beseitigung.  Dabei helfen wir mit Autos und Erdarbeitsmaschinen. Eure Müllplätze sind ideale Lagerplätze.  Ihr müsst das Gift verteilen, dann die Kadaver innerhalb von 24 Stunden zusammensammeln, mit dem Müll verbrennen und vergraben.
Es folgten langwierige Verhandlungen ums Geld, womit Alexej auch gerechnet hatte. Als er die Zigeunersiedlung verließ, war er sich trotzdem sicher, dass er den Löwenanteil der Arbeit in diesem Gebiet nun als erledigt betrachten konnte.

-Ich sag’s ja immer. Die schmutzigen Arbeiten geben sie mal wieder uns, hab‘ ich nicht recht!? – sagte der Baron zu seiner Familie, nachdem Alexej gegangen war. – Na, also gut. Wir legen dieses verdammte Gift aus, aber die Tiere sammeln wir nur lebendig ein.
Wir stopfen auch noch die letzte leere Hütte mit Hunden voll und wenn dieser Schurken-Ukrainer nicht zahlt, dann lassen wir sie lebendig wieder frei. Und ohnehin…  die Position dieses Führers scheint nicht mehr so bombenfest zu sein, wie früher, wenn er schon seine Kopfjäger mit Geld hierherschickt zu uns Zigeunern. Wie ich gehört habe, mag ihn selbst sein Bruder nicht besonders. Er würde ihn auch in einem Löffel Wasser ersäufen. Geh zu ihm mein Sohn, frag ihn, wie viel es ihm wert ist, dass die Hunde da bleiben wo und wie sie sind – dann spuckte er auf den staubigen Boden – wie’s schien zur vollsten Zufriedenheit derjenigen, die um ihn herumstanden.
  Alexej schloss seine Verhandlungen erfolgreich ab und einigte sich innerhalb einiger Tage mit den örtlichen Unternehmen und Verbrecherbanden, die es perfekt verstanden, die ausgebeuteten, eigentlich offiziell gar nicht existierenden ethnischen Gruppen der Ukraine zu lenken. Ihm kam es zupass, dass es in der Ukraine praktisch keine Tierschutzgesetze gab. Die bitteren Briefe von Tierschützern landeten in den Papierkörben der Behörden. So konnte er die für die Arbeit zu zahlenden Beträge niedriger halten, als er das erwartet hatte und auch dann noch konnten die Straßenkinder, die Zigeuner waren, Ungarn oder Krimtataren oder andere Elende ein Stück von der Torte abhaben.
Am 7. Oktober, kurz vor dem Befehl zum Anlauf der Aktion rief er seine Frau an, die – ihre Tränen herunterschluckend – auch seine Töchter ans Telefon rief. Die knapp 4 Jahre alte Irina erzählte ihrem Vater voller Begeisterung, dass sie ein Kätzchen bekommen hatte, für das sie eben einen passenden Namen suchten. Alexej verabschiedete sich mit einem Kloß im Hals und fing zu beten an – vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben. So, wie er es bei seinem Großvater gesehen hatte.   Kurz danach lief die Arbeit an und das ganze Bürohaus geriet durcheinander. Die Bagger und Transportfahrzeuge fuhren in Richtung der zahlreichen Treffpunkte los.  Die Aufgabe, das Gift mit unheimlich stinkendem, tierischen Talg und Fett zu vermischen, damit die Gefahr, dass die hungernden Straßenkinder sie probieren würden, auf diese Weise vermindert werden konnte, war sehr schwer.  Das Mischungsverhältnis wurde streng kontrolliert, aber Alexej hatte trotzdem seine Bedenken wegen der richtigen Verwendung des Gifts. Er bemühte sich, auch eine entsprechende Anzahl von Schutzhandschuhen  an die Einsatzorte zu schicken, aber eine Stunde nach Anlauf der Aktion wurde der Funkkontakt mit einem der die Ausrüstung transportierenden Lastwagen unterbrochen und nachdem der Fahrer wieder aufgetaucht war, stellte sich heraus, dass man den Lastwagen samt Ladung gestohlen hatte. Trotzdem wurde innerhalb von vier Stunden das ausgelieferte Material an allen Treffpunkten dem ausführenden Personal übergeben und ab dem Eintreten der Dunkelheit bis zum Morgen wurde das Futter ausgestreut.


Die heißgelaufenen Kommunikationslinien berichteten von Stunde zu Stunde auch über zahlreiche Fehler, die den Erfolg der Aktion wesentlich gefährdeten. Bis zur völligen Dunkelheit fraßen Vögel und an mehreren Stellen Wildgänse einen erheblichen Teil des ausgelegten Materials. Das Zeug gelangte in einen Teil des Kiewer Diplomatenviertels und in viele Wohnsiedlungen und auch in die Umgebung von Schulen und Kindergärten sowie in vielbesuchte öffentliche Parks. Eines der Autos fiel zusammen mit der gefährlichen Ladung in einen Wasserspeicher. Mehrere der minderjährigen Straßenkinder, die das Material verteilt hatten, wurden ins Krankenhaus gebracht, weil sie - wie man annahm - keine Schutzhandschuhe getragen hatten. Eines von ihnen starb kurz nach seiner Einlieferung. Da auch die Identität der Verletzten nicht festgestellt werden konnte,  schaltete sich auch die Polizei  ziemlich schnell ein. Das Gift wirkte natürlich auch an den ausgesuchten Zielpunkten, die Einsammlung der Kadaver ging nur zögernd voran bzw. war wegen der Dunkelheit fast unmöglich.  Bis zur Dämmerung hatte ein qualvoller Tod die Städte der Ukraine heimgesucht. Die sich zur Arbeit eilenden Menschen wichen – magisch angezogen von dem schrecklichen Anblick -  Hunden mit Schaum vor dem Maul aus, die sich im Todeskampf auf den Straßen wälzten. Zur Beseitigung der Tiere waren auch schon die Behörden mobilisiert worden.  Alexej schickte unter Berufung auf eine mögliche Gefahrensituation mobile, auf Lastwagen eingerichtete Krematorien an die kritischeren Stellen, um die Vernichtung der Tierkörper zu beschleunigen.   Alexej versuchte,  gleichzeitig auf drei Telefonverbindungen Gespräche zu führen und bemühte sich, die Lage zu beherrschen,  als er sah, dass man ihn auf seinem Handy von zu Hause angerufen hatte. Tatjana rief ihn nie an, weil sie sehr wohl wusste, in was für einer Position ihr Mann arbeitete. Ohne zu zögern unterbrach er deshalb die Verbindung mit den anderen Leitungen und nahm den Anruf an – gespannt bis zum Bersten. Zu seiner Überraschung hörte er am anderen Ende der Leitung die schluchzende Stimme seiner älteren Tochter.


-Die Katze ist gestorben, Papa!- rief sie halb schluchzend -  Sie hat sogar schon einen Namen bekommen! Sie ist draußen im Garten gestorben, weil wir nicht auf sie aufgepasst haben!
Die Welt um Alexej begann sich zu drehen.  – Kleines, wo ist die Mama? Gib sie mir schnell!
-Sie ist mit den Onkels weggegangen. Papa, ich mag die Onkels nicht! – schniefte sie und währenddessen war im Hintergrund das wohlbekannte Knarren der Eingangstür zu hören. –Irina! –rief Alexej und lauschte dann gespannt.  Das Geräusch schwerer Tritte, das Rauschen von Kleidung. Stille. Jemand legte entschieden den Hörer nieder.  Alexej wartete vielleicht zwei Sekunden ab, ob er sich verhört hatte…  Aber doch nicht. Schluss!  In Rekordzeit packte er alles zusammen und war startklar, ein paar Telefone und Waffen in die Sporttasche geworfen plus der Laptop und Bargeld. Bezüglich des Personals gab er seinen Stellvertreter an und beschrieb in zwei Sätzen die aktuelle Aufgabe. Sein Blick fiel auf den Fernsehbildschirm.  In den Nachrichten sah er den Bruder Führer, wie er - in einer Gruppe von Tierschützern stehend -  mit erhobener Faust in ein Mikrofon brüllte. Das Klingeln seines eigenen Handys brachte ihn aus seiner Überraschung in die Wirklichkeit zurück. Man rief ihn von einer internen Nummer an.  Er nahm ab, sagte aber nichts. Eine wohlbekannte, ausdruckslose Stimme erklang leise am anderen Ende der Leitung-  Diesmal kommen auch Sie nicht ungeschoren davon, Alexej. Ich habe Sie gewarnt!
- Ich weiß, was ich zu tun habe! – antwortete er mit starker Betonung der letzten Silben und schleuderte das Telefon dann mit einer solchen Wucht in die andere Ecke des Zimmers, dass dieses in tausend Teile zerbrach.
Der Straßenbelag knirschte unter den Rädern seines Autos, als er auf die Straße nach Kiew einbog. Ihm war kalt und er zitterte am ganzen Körper.
Kaum konnte er die Geschwindigkeit etwas erhöhen, da sah er zwei kleine Körper, die sich dicht hintereinander auf der Asphaltstraße fortbewegten. Er machte eine Vollbremsung und riss das Lenkrad herum. Dann stieg er aus und mit einer Hand sammelte er die beiden Welpen ein. Das Muttertier lag tot mit glasigen Augen am Straßenrand. –Die nehme ich für meine Töchter mit! Die werden es gut bei uns haben!
-sagte Alexej, als ob er sich etwas erklären wollte und legte dann die beiden winzigen Hunde auf den Rücksitz.
Selbstsicher gab er Gas und fühlte, wie neue Kräfte in ihm aufstiegen. Er hatte nun nicht mehr den geringsten Zweifel, dass er Glück haben würde und seine Familie wohlauf vorfinden würde. Von hinten auf dem Rücksitz hörte man zufriedenes Bellen…

Lieber Leser!
Die in der Geschichte vorkommenden Personen sind der Phantasie entsprungen und ein Teil der Ereignisse reine Annahmen. Tatsache ist jedoch, dass in der Ukraine jedes Jahr etwa 50 000 streunende Hunde auf bestialische Weise getötet werden. Wegen der Fußball-EM, die 2012 zum Teil auch in ukrainischen Städten ausgetragen wird, wurde dieser Vorgang beschleunigt. Auf öffentlichen Plätzen ist der Anblick von im Todeskampf liegenden Hunden mit Schaum vor der Schnauze schon zu einem normalen Bestandteil des alltäglichen Lebens geworden. Wie auch in der Ukraine selbst, so begann man in mehreren europäischen Ländern mit der Sammlung von Protestunterschriften, welche sowohl den lokalen diplomatischen Vertretungen der Ukraine als auch der Leitung der UEFA zugehen. Unter anderen die Berichterstattungen der deutschen Fernsehkanäle ARD und RTL mit ihren furchtbaren Bildern zu diesem Thema, die Tierschutzorganisationen TASSO, PETA und noch andere ähnliche Organisationen und Aktivisten oder tatkräftige Tierfreunde können die Leitung des ukrainischen Staats im Zusammenhang mit der Europäischen Fußballmeisterschaft dazu zwingen, eine verantwortungsbewusste Tierschutzpraxis auszubauen, die Europa würdig ist und die Tiermorde einzustellen.

Julius Sebő– K9

diese Bilder waren als eines der Themen des Programms „Brisant” zu sehen, welches vom deutschen Fernsehen ARD am 3.11.2011 ausgestrahlt wurde. Bis heute gehen mir diese Bilder nicht aus dem Kopf: 
 http://www.youtube.com/watch?v=gwBN69-esPs

…..und hier kannst du gegen all dies protestieren – bitte tu das, denn es ist ja nur ein Klick und wenn 500000 Stimmen zusammen kommen, werden die Verantwortlichen gezwungen sein zu reagieren – AUCH DU KANNST HELFEN :
http://www.thepetitionsite.com/2/tell-ukraine-to-stop-burning-animals-alive/